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„Atomwaffen aus dem 3D-Drucker? Schauen Sie auf Warnsignale“

Nicht ausgedruckt: Atomwaffe im South Dakota Air and Space Museum (Foto: Andrea ChurchCC BY 2.0)

Ein US-Gericht hat dem Waffenaktivisten Cody Wilson verboten, Pläne über das Internet zu verbreiten, wie man mit Hilfe eines 3D-Druckers eine Waffe herstellen kann. Aber wie verändert 3D-Druck generell die Herstellung von Waffen –zum Beispiel auch von Nuklearwaffen? Und was bedeutet das für die Rüstungsexportkontrollen?

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Lässt die nukleare Proliferation überhaupt noch verhindern? Ja, sagt Robert Kelley. Er hat mehr als 35 Jahre im Atomkomplex des US-Energieministeriums gearbeitet. Für die IAEA war er zwei Mal als Atomwaffeninspekteur im Irak. Seine neuesten Veröffentlichungen sind: Is three-dimensional (3D) printing a nuclear proliferation tool? und The Challenge of emerging technologies to non-proliferation efforts.

Lagebeschreibung: Ist es irgendwann möglich, eine Atombombe mit einem 3D-Drucker herzustellen?

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Robert Kelley: Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass man jemals eine ganze Atomwaffe mit dem 3D-Drucker herstellen kann. Wahrscheinlich kann man einige Einzelteile produzieren. Aber eine ganze Atomwaffe drucken – da sage ich, das geht nicht.

Lagebeschreibung: Und Gaszentrifugen, die zur Uran-Anreicherung benötigt werden?

Robert Kelley: Zentrifugen zu drucken ist noch unwahrscheinlicher. Es gibt wenige Bestandteile einer Zentrifuge, von denen ich mir vorstellen kann, dass sie aus dem 3D-Drucker kommen. Zum Glück sind gerade die Teile, die unter enormen Belastungen stehen, am besten kontrolliert. Nur die, die wenig Druck aushalten müssen, könnte man im 3D-Verfahren herstellen. Aber auch das würde keinen Vorteil gegenüber anderen Fertigungsmethoden verschaffen. Gerade die Rotoren, die mit hoher Geschwindigkeit laufen, im 3D-Druck herzustellen, ist unmöglich, denke ich. Und sicher kann man keine ganze Gaszentrifuge auf einmal drucken.

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Lagebeschreibung: Sie haben auch an der Kontrolle von Nuklearwaffen gearbeitet. Was muss sich dort ändern wegen des 3D-Drucks?

Robert Kelley: Man muss sich einige Bereiche genauer anschauen wie die Herstellung von Teilen mit Beryllium, das für eine Nuklearwaffe sehr nützlich ist, und sicherstellen, dass diejenigen Regierungsmitarbeiter, die mit Exportkontrollen beschäftigt sind, darauf achten, wenn sowohl Pulver mit Beryllium wie auch Drucker auftauchen, die es verarbeiten können. Das ist sehr wichtig, sowohl für die Exportkontrolle wie auch für die Geheimdienste, dass man jemanden erwischt, der Pulver mit Beryllium und 3D-Drucker haben will. Beryllium alleine kann nicht für den 3D-Druck verwendet werden, aber eine Legierung von Beryllium mit Aluminium könnte sehr gut funktionieren. Das sollte also ein Warnsignal sein. Aber ich denke nicht, dass das sehr wahrscheinlich ist. So ein Szenario nimmt man mit auf die Liste, um die Leute in der Exportkontrolle auf dem Laufenden zu halten.

Lagebeschreibung: Aber lässt sich 3D-Druck als klassische Dual-Use-Technologie überhaupt kontrollieren?

Robert Kelley: Ja, 3D-Druck ist eine Dual-Use-Technologie und aus diesem Grund gibt es auch eine Menge an legitimem Handel damit. Aber es kann Anzeichen geben – zum Beispiel wenn 3D-Drucker technisch so verändert werden, dass sie mit einem extrem giftigen Stoff wie Beryllium arbeiten können. Auch Sprengstoff kann man inzwischen verarbeiten, aber es braucht Änderungen im 3D-Druck, um sicher damit umzugehen. Und dann ist da noch das Druckpulver selbst. Beryllium ist kein sehr gebräuchliches Metall im internationalen Handel. Wenn das jemand bestellt zusammen mit Druckpulver, sollte das ein Warnsignal sein für einen Exportkontrolleur, so dass er da genauer hinschaut.

Interview: Dirk Eckert

Die englische Fassung findet sich hier.

 

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