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Inside Eritrea

Der Frauenarzt auf Visite im Keren Spital in Eritrea (Foto: ZDF/SRF)

Viele, die übers Mittelmeer nach Europa kommen, sind Flüchtlinge aus Eritrea. Einer, der dagegen von Europa aus dorthin fliegt, ist Toni Locher. Der Schweizer Frauenarzt  hat sich schon als 19-Jähriger für die eritreische Unabhängigkeitsbewegung engagiert. Heute ist der 68er Honorarkonsul Eritreas in der Schweiz und verteidigt ein Land, das vielen als Nordkoreas Afrikas gilt.

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Der Dokumentarfilmer Reto Brennwald hat Toni Locher für das Schweizer Fernsehen porträtiert und nach Eritrea begleitet. Sein bemerkenswerter Film bietet seltene Einblicke in das verschlossene Land. Und erzählt die Geschichte einer Unabhängigkeitsbewegung und des Dritte-Welt-Aktivisten Toni Locher. Historische Filmaufnahmen zeigen den bärtigen Revoluzzer, wie er eine Solidaritätsadresse verliest. Oder wie er bei den Genossen heiratet.

Toni Locher hält bei heute zu Eritrea, das von der Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit regiert wird, die aus der Eritreischen Volksbefreiungsfront hervorging. Aber wie die Situation in Eritrea wirklich ist, bleibt umstritten. Der nationale Zwangsdienst dort gilt als Fluchtgrund Nummer 1. Inzwischen konnten sich westliche Medien immerhin mal einen Eindruck verschaffen.

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„Ganz viele Veränderungen und Fortschritte“ attestiert dagegen Toni Locher dem Land seit der Unabhängigkeit. Berichte über Menschenrechtsverletzungen, mangelnde Pressefreiheit, Zwangsdienst? Für Toni Locher ist das alles schlecht recherchiert: „Es gibt wirklich keine an Leib und Leben verfolgten Menschen hier. Das gibt es nicht“, beteuert er. Reto Brennwald jedenfalls konnte sich als Dokumentarfilmer frei durch Asmara bewegen und filmen. Freies Internet gibt es auf dem Smartphone im Internetcafe angeblich auch.

Für die eritreische Regierung legt sich der 68er Toni Locher auch mit namhaften Organisationen wie amnesty international an, die politische Gefangene und den staatlichen Zwangsdienst beklagen. Wie passt das zusammen? Das fragt sich auch Filmemacher Reto Brennwald. Toni Locher verweist dann auf autoritäre Regime in Europa und sagt Sätze wie: „In Europa und den USA finde ich das nicht gut. Aber Afrika braucht wahrscheinlich autoritäre Strukturen.“

Der Widerspruch scheint ihn nicht zu stören. Aber er ist auch nicht der erste 68er, der mehr Demokratie wollte und schließlich in autoritären Strukturen landete. Die K-Gruppen lassen grüßen.

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Einer gegen alle. Alt-Revoluzzer Toni Locher und die eritreische Diktatur. Reportage von Reto Brennwald
Bei 3sat online bis 20.3.2018 sowie beim Schweizer Fernsehen.

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