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Wohin geht die Türkei?

Erdogan – der neue Sultan?  (Foto: Presidencia de la República MexicanaCC BY 2.0)

Deniz Yücel ist frei. Aber drei andere Journalisten wurden am Tag seiner Freilassung zu lebenslanger Haft verurteilt. Von einer Normalisierungen der deutsch-türkischen Beziehungen kann deshalb noch lang keine Rede sein. Und Außenminister Sigmar Gabriel hat dementsprechend ja auch gesagt, dass Yücels Freilassung nur der Anfang ist.

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Völlig unklar ist derzeit, wohin sich die Türkei langfristig orientieren wird. Das Land ist NATO-Mitglied, aber wie eine Umfrage des Washingtoner Centre for American Progress zeigt, hat sich die Stimmung in der Türkei verändert. Erdogans Propaganda zeigt Wirkung, was die türkische Bevölkerung heute mehrheitlich denkt, hat mit der gerne beschworenen westlichen Wertegemeinschaft nicht mehr viel zu tun:

Für um die 70 bis 80 Prozent spielt der Islam eine zentrale Rolle in ihrem Leben, sie sehen die Türkei von einer globalen Elite dominiert, finden, dass zuviel Geld für Flüchtlinge ausgegeben wird, sehen die Türkei als natürliche Führungsmacht der islamischen Welt, die mehr eigene Rüstungsgüter produzieren sollte.

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46 Prozent wollen eine konfrontativere Politik gegenüber den USA, 55 Prozent sind für eine isolationistische Außenpolitik anstelle von internationaler Zusammenarbeit. Mehrheitlich negativ gesehen werden folgende Länder oder Gruppen: USA (83 Prozent), syrische Flüchtlinge (79), Juden (78), Europa (73), US-Amerikaner (72), Christen (69), NATO (67), Russland (63).

Die Umfrage zeigt aber auch: Die Türkei ist gespalten. Erdogan hat grob die eine Hälfte der Bevölkerung hinter sich. Dass das Land einen starken Anführer wie Erdogan braucht, finden nur 55 Prozent. 49 Prozent finden, dass Flüchtlinge dem Land Gutes bringen und Hilfe verdient haben. Die Autoren schlussfolgern:

„the current centrality of anti-Western thought and the widespread desire to go it alone is remarkable. Only time will tell if this is a durable shift or a passing current driven by domestic, regional, and global dynamics“

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Zu ergänzen wäre: Auch anderswo wird Außenpolitik nicht nach Umfragen gemacht wird. Sonst sähe die deutsche anders aus: Denn laut dem Sicherheitsreport 2018, den das Centrum für Strategie und Höhere Führung und das Institut für Demoskopie Allensbach erstellt haben, halten die Deutschen als Gefahr für den Weltfrieden: Nordkorea (72 Prozent), die USA (40 Prozent), Iran (37 Prozent). Russland dagegen sehen nur 28 Prozent als Gefahr an.

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