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Gewalt, neurowissenschaftlich gesehen

(Foto: Carl Hanser Verlag)

Wer Kriege und Konflikte analysiert, schaut sich meistens die Interessen der Akteure an, zählt Raketen oder schaut nach Bodenschätzen und Pipelinerouten. Biologie hat als Erklärungsansatz für menschliches Verhalten – also auch für Gewalt und Aggression – in der Politikanalyse traditionell keinen guten Ruf.

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Das könnte, zumindest in Deutschland, auch an Konrad Lorenz liegen. Der Österreicher hatte schon vor Jahrzehnten auf biologische Wurzeln der Aggression hingewiesen. Seine Thesen dazu sind zwar umstritten, aber das Thema ist hierzulande seither mit seinem Namen verknüpft. Nun war Konrad Lorenz aber nicht nur ein mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichneter Wissenschaftler, er hatte auch unter den Nazis eine steile Karriere hingelegt. Noch Jahrzehnte später schockierte mit reaktionären Sprüchen.

Mit Lorenz gleich die ganze Verhaltensforschung zu ignorieren, wäre jedoch vorschnell. Warum, zeigt das neue Buch Gewalt und Mitgefühl: Die Biologie des menschlichen Verhaltens (*)von Robert M. Sapolsky.

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Sapolsky ist ein amerikanischer Primatologe und Neurowissenschaftler an der Professor an der Stanfort University. Und Sapolsky ist klassischer amerikanischer Liberaler. Man muss bei ihm also keine Sorgen haben, rassistischen Mist aufgetischt zu bekommen. Stattdessen gibt es den aktuellen Stand der Neurowissenschaften: Man lernt bei Sapolsky zum Beispiel viel über Fremdenfeindlichkeit und wie Vorurteile entstehen. Man lernt, warum Gene überschätzt werden (Hinweis: Sarrazin hat Unrecht), und warum auch Moral und Mitgefühl tief im Menschen verankert sind. Und warum der Mensch zu Aggression, aber eben auch zu Kooperation fähig ist.

Leider ist nicht ganz einfach, was Robert M. Sapolsky schreibt. Es geht um Gene, Hormone, Botenstoffe, Endokrinologie, den frontalen Kortex, Mutationen, Polymorphismen oder Neuropharmakologie, um nur mal ein paar Begriffe rauszugreifen. All das ist keine leichte Kost für alle, die sich normalerweise mit Politikerinterviews beschäftigen, auf Nachrichtenseiten unterwegs sind und am liebsten politische und historische Sachbücher lesen. Doch am Ende lohnt sich die Mühe. Wie würde Robert M. Sapolsky witzeln: Geisteswissenschaftler sind eben oft Menschen, die in der Schule den Biologie-Unterricht gehasst haben. Mist, ertappt.

Neugierig? Dann legen Sie das Buch in Ihren Einkaufswagen (*Werbelink):
Gewalt und Mitgefühl: Die Biologie des menschlichen Verhaltens

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