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Islamismus: Geschichte, Vordenker, Organisationen

(Foto: C.H. Beck)

In Ägypten haben islamistischer Extremisten wieder zugeschlagen und mit einem Anschlag  mehr als 300 Menschen getötet. Warum? Die Opfer waren Muslime einer anderen Glaubensrichtung, sie gehörtem dem Sufi-Orden an. Für die Täter vom Islamischen Staat waren sie damit Abtrünnige.

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Ein mörderischer Anschlag auf eine Moschee, begangen von Muslimen – das ist für sunnitische Extremisten keine Fehlleistung, sondern Programm. Dahinter steht das Konzept des Exkommunizierens (takfir) von nach eigener Ansicht nicht rechtgläubigen Muslimen. Wie die ideologische Welt der Gotteskrieger genauer aussieht, dazu Tilman Seidensticker, Islamwissenschaftler an der Universität Jena, schon 2014 ein nützliches Büchlein vorgelegt.

Innerislamische Kriege

Seidensticker gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Extremisten: Einerseits sunnitische Gruppen wie die Salafisten, den Islamischen Staat oder den saudischen Wahabismus, andererseits die schiitischen Mullahs, die im Iran an der Macht sind. Die verschiedenen Lager bekämpfen sich gegenseitig hart, hinzu kamen in der Geschichte immer wieder sozusagen normale Machtkämpfe zwischen muslimischen Herrschern . In 1400 Jahren hätten Muslime mehr innerislamische Kriege erlebt als expansive Feldzüge gegen nichtislamische Gebiete, schreibt Seidensticker: „Praktisch alle diese Kriege zwischen islamischen Heeren wurden nicht als Jihad betrachtet“.

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Seidenstickers Buch eignet sich als Wegweiser durch die Welt des religiösen Fanatismus. Man muss die Gotteskrieger als Gefahr ernst nehmen, wie die Anschläge und Kriege im Nahen Osten und Europa zeigen. Und darf dabei trotzdem nicht vergessen, dass die islamischen Extremisten nur eine Minderheit sind. Der Islamismus behauptet zwar, an alte Traditionen anzuknüpfen, ist aber in Wirklichkeit ein Produkt der Moderne.

Wie übrigens auch das Selbstmordattentat: Allein die große Zahl solcher Attentate „hat es mit sich gebracht, dass ein Zusammenhang zwischen Anschlägen dieses Typs und der islamischen Religion vermutet wurde“, schreibt Seidensticker. Was man heute gerne vergisst: Selbstmordattentate kamen in der islamischen Welt erst in den 1980ern in großem Stil auf. Ein genauerer Blick lohnt sich also.

Kauflink: Islamismus: Geschichte, Vordenker, Organisationen (Beck’sche Reihe)

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