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Die Salafisten

Der Islamismus, verstanden als extremistischer Zweig des Islams, hält die Welt seit längerem in Atem. Von Afghanistan zum 11. September bis zum Islamischen Staat zieht sich die Blutspur der Gotteskrieger und Dschihadisten. Selbstmordanschläge, Heilige Kriege und Attentate auf Andersgläubige gehen auf ihr Konto. Zu ihren Opfern zählen übrigens auch unzählige schiitische Muslime.

Suche nach dem “wahren” Leben

Eine Strömung des Islamismus ist der Salafismus. In Deutschland machen seine Anhänger vor allem Schlagzeilen als Vorfeldorganisation des Islamischen Staates, als Anwerber und Rekrutierer. Die Justiz geht deswegen gegen prominente Prediger der Szene vor.

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Aber was ist Salafismus eigentlich, wie verhält er sich zu anderen islamistischen Strömungen? Rüdiger Lohlker, Professor für Islamwissenschaften an der Universität Wien, hat dazu ein aufschlussreiche Buch vorgelegt: Die Salafisten: Der Aufstand der Frommen, Saudi-Arabien und der Islam(*). Das Buch ist ein guter Wegweiser durch den Dschungel der islamistischen Strömungen. Man erfährt zum Beispiel, warum sich in Ägypten die Salafisten im Unterschied zu den Muslimbrüdern zeitweise eher aus der Politik heraushielten oder in welchem Verhältnis der Salafismus zum Wahabismus steht, der Staatsreligion in Saudi-Arabien.

Salafisten orientieren sich religiös an den „Altvorderen“ (Salaf) . Ihre Lehre läuft darauf hinaus, einen „wahren“ religiösen Lebensstil zu propagieren. Das richtet sich gegen Ungläubige, aber auch gegen liberale Muslime. Besonders verhängnisvoll ist die Praxis, andere Muslime, die nicht der eigenen Richtung angehören, zu  Ungläubigen zu erklären (takfir). Der Religionskrieg sunnitischer Islamisten gegen die Schiiten speist sich aus dieser Quelle.

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„In Schriften und Medien des IS wird offen und immer wieder von der Notwendigkeit gesprochen, die Schiiten zu töten“, schreibt Lohlker. Wobei es auch hier Unterschiede gibt, wie er weiter erklärt: Wahabiten verdammen andere islamische Strömungen wie die Schiiten. Dschihadisten sind gegen alle Menschen, die nicht zur eigenen Gruppe gehören.

Bedrohung des globalen Friedens

So weit, so unerfreulich. Kein Wunder, dass sich die deutsche Justiz mit den Salafisten beschäftigt. „Die Suche nach dem einen Islam vernebelt den Salafisten den Blick für die vielfältige pluralistische Potenz der Geschichte des islamischen Denkens”, schreibt Lohlker, ihre Ideen „bedrohen den regionalen, nationalen und globalen Frieden“. Sein Buch hilft, diese religiösen Strömung besser zu durchschauen. Das ist wichtig, denn, wie Rüdiger Lohlker schreibt: „Der Salafismus (einschließlich Dschihadismus und Wahabismus) ist historisch entstanden und daher auch historisch veränderbar.“ Wohl wahr.

Rüdiger Lohlker: Die Salafisten: Der Aufstand der Frommen, Saudi-Arabien und der IslamC.H.Beck, München 2017 (*)

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