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Kriegsgefahr im Pazifik?

Foto: Nomos

(Aus: taz)

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Grenzkonflikte müssen nicht immer zu Krieg führen. Aber bis heute sind Staaten ziemlich kompromisslos, wenn es darum geht, einen Streifen Land nicht an den Nachbarn zu verlieren. Oft sind Grenzen über Jahrzehnte umstritten, siehe die Kurilen, die von Japan und Russland gleichermaßen beansprucht werden. Aktuell liegt China im Südchinesischen Meer im Streit mit sämtlichen anderen Anrainern und baut künstliche Inseln, um seine Ansprüche zu zementieren. Die USA wiederum entsenden regelmäßig Kriegsschiffe zu Patrouillenfahrten in die Region.

Dabei kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, wenn chinesische und US-amerikanische Marine aufeinandertreffen. Das wirft die Frage auf, ob und wie sich verhindern lässt, dass der Inselstreit in offenen Krieg eskaliert. Michael Paul von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hat mit „Kriegsgefahr im Pazifik?“ ein Buch vorgelegt, das diesen Konflikt so umfassend und detailreich analysiert und einordnet, dass man von einem Grundlagenwerk sprechen kann.

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China, so seine Grunddiagnose, hat sich binnen zweier Jahrzehnte zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelt und dementsprechend seine Rüstungsausgaben gesteigert. Für sich genommen sei das zwar „weder alarmierend noch ungewöhnlich“, löse aber doch Sorgen bei den Nachbarn aus, weil China zugleich „eine immer robustere Außenpolitik“ praktiziere.


Als neue Großmacht stößt China außerdem mit der Weltmacht USA zusammen. Denn Peking will die Seewege der maritimen Seidenstraße auch militärisch sichern, die das Land über den Indischen Ozean, den Suezkanal und den griechischen Hafen Piräus mit Europa verbinden soll. Für die USA ist damit die historisch einmalige Zeit nach dem Epochenumbruch 1989/90 vorbei, als das Land die einzige verbliebene Supermacht war. Schon unter Präsident Obama reagierten die USA darauf mit einem „Schwenk nach Asien“. In Südostasien droht ein Konflikt zweier Großmächte, wie er als „Falle des Thukydides“ bekannt ist. Der griechische Historiker hatte seinerzeit als Ursache für den Peloponnesischen Krieg den Aufstieg Athens ausgemacht, der Sparta als Großmacht herausgefordert hat.

Bisher hätten China und die USA erfolgreich eine „eskalationsträchtige Auseinandersetzung“ vermieden, lobt Michael Paul. Man dürfe das Risiko eines militärischen Konflikts nicht überbewerten. Paul plädiert für Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnahmen: Neue Konflikte müssten eingedämmt werden, aber – das ist seine Pointe – nicht China selbst. Gelingt das nicht, können Fehleinschätzungen, Nationalismus und Machtstreben in den Krieg führen.

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(Rezension von Dirk Eckert, zuerst erschienen in: taz – die tageszeitung, 21.10.2017, S. 15)

Kauflink: Kriegsgefahr im Pazifik?: Die maritime Bedeutung der sino-amerikanischen Rivalität (Internationale Politik Und Sicherheit, Band 68)

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