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1979 – eine Intervention verändert die Welt

Wie aus einer anderen Zeit: Kabul 1979, By: NickCC BY 2.0

Der Krieg in Afghanistan dauert an, auch der globale Dschihadismus wird nicht erledigt sein, wenn der Islamische Staat in Syrien seine territoriale Basis verloren hat. Der Aufstieg des militanten Islamismus ist eng mit Afghanistan verknüpft und mit der verhängnisvollen Fehlentscheidung im Moskau des Jahres 1979, militärisch dort zu intervenieren. Ohne diesen Beschluss der alten Herren im Politbüro wäre vieles anders gelaufen: Die Entspannungspolitik wäre nicht zu Ende gewesen, aber auch die Terroranschläge vom 11. September hätte es wahrscheinlich so nicht gegeben.

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Gulya Mirzoeva hat den Weg in den Krieg in der Dokumentation 1979 – Der Afghanistan-Krieg verändert die Welt (Afghanistan 1979 – La guerre qui a changé le monde) nachgezeichnet. Die Dokumentation aus dem Jahr 2014, in der sich viele damals beteiligte Politiker, Militärs und Geheimdienstler äußern, hat der WDR kürzlich nochmals ausgestrahlt. Bis zum 2. November 2017 ist wieder online zu sehen.

Der Film ist ebenso historisch interessant wie politisch lehrreich:

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  • Die sowjetische Führung ahnte nicht mal ansatzweise, was sie mit ihrer Entscheidung auslöste. Ihr Ziel war, Afghanistan zu befrieden, doch nicht mal das klappte. Stattdessen ging der Bürgerkrieg am Hindukusch erst richtig los.
  • Mit dem Einmarsch in Afghanistan war auch die Entspannungspolitik beendet. Der Afghanistan-Krieg trug letztlich mit zum Zerfall der Sowjetunion bei.
  • Der Krieg erwies sich als Geburtshelfer für den globalen Dschihad. Die ganze muslimische Welt war aufgerüttelt, Radikale wie Osama bin Laden trommelten zum Krieg gegen die Ungläubigen. Al Qaida, der 11. September, der Islamische Staat waren die späten Folgen.
  • Die USA förderten den Widerstand gegen die Sowjetunion und trugen nichts zur Eindämmung des Verhängnisses bei. Im Gegenteil, bekanntermaßen setzten sie auf die islamistischen Rebellen, um der Sowjetunion ihr Vietnam zu bereiten.
  • Die Unterstützung der Islamisten sollte sich für die USA bitter rächen: Als die Sowjetunion abgezogen war, suchten sich die Gotteskrieger um Osama bin Laden einen neuen Gegner und verübten am 11. September 2001 Anschläge auf das Pentagon und das World Trade Center mit rund 3000 Toten.
  • Der einzige jemals Vernünftige war wohl Michail Gorbatschow: Er beendete den sowjetischen Krieg in Afghanistan. Unterstützung der Reagan-Regierung gab es dafür nicht.

Das sind nur einige der Lektionen dieser spannenden Dokumentation mit historischem Filmmaterial, in der sich übrigens auch Michail Gorbatschow erstmals umfassend äußert.

Online: „1979 – Der Afghanistan-Krieg verändert die Welt“, bis zum 2. November 2017 hier.

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