Inside Nordkorea

Regisseurin Sung-Hyung Cho mit Soldatin auf dem heiligen Berg Baekdu, Foto: HR/Kundschafter Filmproduktion GmbH

Das Wacken-Festival war in Deutschland lange nur unter Heavy-Metal-Fans bekannt, die Jahr für Jahr in das kleine Dorf in Schleswig-Holstein pilgerten. Das änderte sich erst, als die Regisseurin Sung-Hyung Cho kam. Die gebürtige Koreanerin erkannte, wie interessant es ist, wenn Metal-Fans auf Dorfbewohner treffen und alle einträchtig zur Dorfkapelle pogen. Ihr Dokumentarfilm Full Metal Village lief sogar in den Kinos.

Jetzt ist Sung-Hyung Cho wieder da mit einem Film über Nordkorea: „Meine Brüder und Schwestern in Nordkorea“ heißt er oder in der Kino-Fassung Meine Brüder und Schwestern im Norden. Der Film läuft heute Abend im Hessischen Rundfunk (22.45 Uhr) und er kam auch schon in der ARD.

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Da hat ihn der Publizist Henryk M. Broder gesehen. Auf seinem Blog „Achse des Guten“, „einer beliebten Internetseite von und mit Henryk M. Broder und lauter Leuten, die gerne Henryk M. Broder wären“ (Stefan Niggemeier), zog er dann richtig vom Leder. „Meine Brüder und Schwestern in Nordkorea“, behauptete Broder, könne es mit Hitlers „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ aufnehmen. Der Wutblogger vom Springer-Verlag traut der ARD jetzt schon Propaganda für Nordkorea zu. Und das ist dann das Gleiche wie Hitler, drunter geht’s natürlich nicht.

Broders Kritik ist völliger Unfug. Natürlich konnte Regisseurin Sung-Hyung Cho nur mit offizieller Genehmigung in Nordkorea drehen. Orte, Gesprächspartner, all das ist von der Regierung ausgesucht. Das sagt der Film auch. Sieht man nagelneue Schulgebäude und leckeres Essen auf dem Tisch, sagt das nichts über die Versorgung anderswo im Lande. Aber man muss kein ehemaliger DDR-Bürger sein, um die Fassade zu durchschauen.

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Allein schon dieser ständige, nervige Personenkult um Kim Jon-un. Die Angestellten im Schwimmbad verbeugen sich allen Ernstes vor einem Bild des Führers und Marshalls. Kleine Kinder singen Hymnen auf ihn, überall wird indoktriniert. Aber auch über die wirtschaftliche Lage kann man so einiges herausfinden, was das Regime lieber verschwiegen hätte. Man muss nur genau zuhören und hinsehen.

Wie schon bei Full Metal Village hat Regisseurin Sung-Hyung Cho einen angenehm zurückhaltenden Film gedreht. Was sie filmen konnte, was ihre Gesprächspartner erzählen, lässt sie wirken. So nimmt sie die Zuschauer mit auf eine Reise in einst sonst völlig abgeschottetes Land. Was man dort sieht und hört, darüber kann sich jeder seinen Teil selbst denken.

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