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Ende der Kolonialzeit, Anfang der Feindschaft

Vor 70 Jahren sind erst Pakistan, einen Tag später Indien unabhängig geworden. Aufmerksame Beobachter sagten schon damals Probleme voraus: „Die harten Tatsachen der Armut und des Hungers bestehen fort“, schrieb der Sonderkorrespondent der neuen Zürcher Zeitung am 12. August 1947. Die Schweizer Zeitung hat einige Berichte von damals online gestellt.

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Tatsächlich brachen mit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft keine paradiesischen Zustände aus. Zusammen mit der Unabhängigkeit kam die Teilung der britischen Kolonie in Pakistan und Indien. Und damit nationalistische Gewalt: Hindus flohen aus Pakistan, Muslime aus Indien. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete darüber am 8. Mai 1948 unter dem Titel „Die große Flucht“. „Der gigantische Bevölkerungsaustausch ging mit Gewaltexzessen einher, denen mehr als eine Million Menschen zum Opfer fielen“, bilanziert Historiker Michael Mann für die Bundeszentrale für politische Bildung.

70 Jahre Konflikt

Vier Kriege haben die beiden Staaten seither geführt. Beide sind jetzt Atommächte. Die gegenseitige Feindschaft ist inzwischen leider gut kultiviert: Am Grenzübergang Wagah zum Beispiel treten sich allabendlich zwei Soldaten gegenüber (siehe Foto), um die jeweilige Fahne einzuholen. Ein kurzer Händedruck schließt das Militär-Spektakel ab, das von Anhängern beider seiten wie ein Fußballspiel verfolgt wird. Gegnerschaft als Ritual.

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Innenpolitisch schwankt Pakistan zwischen Islam und Militärherrschaft, das Feindbild Indien ist da hochwillkommen. In Indien haben in jüngster Zeit die Hindu-Nationalisten an Macht gewonnen. Aber es gibt auch andere Stimmen – jene, die an die Opfer der Teilung erinnern. Das ist wichtig, um Feindbilder abzubauen. Denn auch in Südasien grassiert der gefährliche Virus des Nationalismus.

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