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Im Innern eines Atombunkers

 

 

 

Vor dem Einkaufszentrum geht es runter zu U-Bahn und Schutzraum. Foto by: Thomas KohlerCC BY 2.0

Echten Schutz findet man im Zwischendeck. Genau da, unter der Straße, aber noch über dem U-Bahn-Tunnel, liegt der Schutzraum. Kalk-Post heißt die Kölner U-Bahn-Station. 1979 wurde hier ein Schutzraum gebaut, der bei einem Atomkrieg 2366 Menschen hätte Schutz bieten sollen.

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Bis 2005 war die Anlage noch in Betrieb. Seit einem Jahr ist sie wieder geöffnet – aber nur für Führungen und zur historischen Erforschung. So auch am 6. August 2017. Es ist Sonntag und genau 72 Jahre nach dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima. Eine gute Gelegenheit, sich den „Atombunker“ mal anzuschauen, der jetzt offiziell Dokumentationsstätte Kalter Krieg heißt.

Einer Atombombe wie in Hiroshima hätte der „Bunker“ nie standgehalten. Es war eben kein richtiger Bunker, sondern ein Schutzraum. Gedacht nicht für die Anwohner, sondern für Durchreisende, um sich vor dem nuklearen Fall-out in Sicherheit zu bringen. Die Anwohner hätten sich selbst private Schutzräume bauen müssen, was die Bevölkerung damals kaum ernst genommen hat. Davon zeugt heute noch der Loriot-Sketch vom „K 2000“, dem kleinen Bunker für zu Hause.

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Nur theoretisch funktionsfähig

An alles war gedacht. Lüftung, Krankenstation, Feldbetten, Toiletten, Nahrungsmittelpakete. Aber hätte der Schutzraum wirklich funktioniert? Kaum, daraus macht auch die Dokumentationsstätte Kalter Krieg keinen Hehl, die die Anlage erhält und erforscht. So gingen die Planer zum Beispiel davon aus, dass es vor dem Beginn des Atomkrieges eine politische Krise von 14 Tagen gibt. Und damit genug Zeit, um den U-Bahn-Tunnel zu schließen und auf den Bahnsteigen die Feldbetten aufzubauen…

Reichlich unrealistisch. Aber es gab noch viel mehr Sollbruchstellen. So gingen die Planer etwa davon aus, dass die Lüftungsschächte halten. Und dass die städtischen Pumpen funktionieren, die das Grundwasser fernhalten. Aber selbst wenn alles geklappt hätte: Die Eingeschlossenen wären in der Enge wahrscheinlich wahnsinnig geworden. Allein die Essenausgabe sollte über eine einzige Durchreiche an der Küche erfolgen – für 2366 Menschen.

Ende nach 14 Tagen

Die Vorräte reichten übrigens nur für 14 Tage. Danach hätten die Überlebenden den Schutzraum verlassen müssen. Auch diesen Fall hatte der Katastrophenschutz eingeplant. „Die Schutzsuchenden werden mit Bussen abgeholt“, heißt es in den entsprechenden Unterlagen. Es geht doch nichts über eine gute Planung.

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