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Aids – Erbe der Kolonialzeit

Gewebeproben aus den 70er Jahren werden untersucht (Bild: arte/Renaat Lambeets/DOCDAYS Productions

Von der Pest im Mittelalter über die Spanische Grippe bis hin zu Ebola – immer wieder haben ansteckende Krankheiten Millionen von Todesopfern gefordert. Eine davon ist Aids. Besiegt ist das HI-Virus noch lange nicht, aber es gibt neue Erkenntnisse über seine Entstehung. Die Dokumentation „Aids – Erbe der Kolonialzeit“ zeigt, wie Wissenschaftler seiner Herkunft auf die Spur kommen.

Gen-Abend bei Arte

Ohne Gene zu entschlüsseln, kommt heute kaum noch eine TV-Dokumentation aus. Ob es die Entstehung des Homo Sapiens ist oder die Herkunft des HI-Virus (wie am vergangenen Samstagabend bei Arte): Es gibt kaum noch eine Doku ohne Wissenschaftler, die im Labor Genmaterial sequenzieren. Die Technik hat hier rasante Fortschritte gemacht, so dass sich mittlerweile genau sagen lässt, welche Gene etwa der moderne Mensch von den Neandertalern übernommen hat.

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Oder eben wann das HI-Virus entstanden sein muss. So lässt sich seine Übertragung vom Affen auf den Menschen zeitlich und räumlich genauer eingrenzen. Offenbar hat das Virus schon früh im 20. Jahrhundert in Kamerun und später in Kongo lokale Epidemien verursacht. Entsprechende Gewebeproben und Krankenakten belegen das.

Erbe der Kolonialzeit?

Nur mit dem Titel übertreibt die Dokumentation etwas: Aids ist zwar insofern ein Erbe der Kolonialzeit, als damals der Kolonialismus herrschte. Aber hängt beides deswegen ursächlich zusammen? Ohne Kolonialismus keine Aids-Schwemme? Das muss man dann doch bezweifeln. Sicher hat Frankreich seine Kolonie und die Einheimischen brutal ausgebeutet. Aber nur die Zwangsarbeit war typisch für den Kolonialismus, nicht der Bau von Eisenbahnlinien.

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Die Vernetzung der Welt fördert natürlich auch die Ausbreitung von Krankheiten. Ein heimtückisches Virus mit einer mehrjährigen Latenzphase hätte sich wahrscheinlich auch ohne Kolonialismus ausgebreitet beziehungsweise wäre lange unentdeckt geblieben.

Aufgabe für die ganze Menschheit

Aber das mindert den Wert der Dokumentation keineswegs. Sie erzählt von der Forscherarbeit heutiger Virologen, die die Geschichte des HI-Virus und seiner Verbreitung nachvollziehen wollen. Letztlich geht es darum, Schlüsse zu ziehen, wie hochgefährliche Viren frühzeitig entdeckt werden können, um Pandemien zu verhindern. Es ist eine Aufgabe für die Menschheit insgesamt.

Wiederholung bei Arte: 15.12.2017 um 11.15 Uhr, online bis 02. März 2018

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