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Ein Mysterium namens Eritrea

Erbe der Kolonialzeit: Italienisches Haus in Asmara (Foto By: Clay GillilandCC BY 2.0)

Eines der neueren journalistischen Formate sind Reportagen aus Eritrea. Seit viele Menschen aus dem ostafrikanischen Land nach Europa fliehen, fragen sich europäische Politiker und Medien, was dort so anders ist als in anderen Ländern des afrikanischen Kontinents. Diese Woche hat der Spiegel seinen Vor-Ort-Besuch veröffentlicht. Auch andere deutsche Medien waren schon da, so der später nach einem tragischen Unfall verstorbene FAZ-Korrespondent Thomas Scheen oder der Tagesspiegel.

Abgeschottetes Land

Solche Berichte sind etwas besonders, da Eritrea sich bislang ziemlich abgeschottet hatte und nur wenige Journalisten und unabhängige Beobachter sich selbst ein Bild vor Ort machen konnten. Wie das Land und seine Regierung einzuschätzen sind, darüber gehen deshalb hierzulande die Meinungen ziemlich auseinander. Die einen sprechen vom „Nordkorea Afrikas“, europäische Diplomaten dagegen schüren seit geraumer Zeit Zweifel, ob die Verhältnisse dort wirklich so schlimm sind, dass Europa Flüchtlinge von dort aufnehmen muss.

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Eine interessante Einschätzung hat dazu Nicole Hirt, Mitarbeiterin des Giga-Instituts Hamburg, die von 2001 bis 2003 an der Universität der Hauptstadt des Landes Asmara gelehrt hat. Sie übt scharfe Kritik an europäischen Diplomaten, die die Verhältnisse in Eritrea schön reden wollten. Nicole Hirt sieht im unbegrenzten Militärdienst, der die Bevölkerung de facto zu Zwangsarbeit verurteilt, ganz klar die Hauptfluchtursache. Das ganze Interview bei Telepolis.

Kritik der UN

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Jüngste Einschätzungen von Menschenrechtsorganisationen gehen in dieselbe Richtung. „Willkürliche Inhaftierungen und außergerichtliche Tötungen gehören in Eritrea weiterhin zum Alltag“, schreibt die Menschenrechtsorganisationen Pro Asyl. Auf einer Konferenz „Fluchtsituation Eritrea – Kein Ende in Sicht?“ im Oktober in Brüssel appellierten Menschenrechtler an die EU, weiter Flüchtlinge aus Eritrea aufzunehmen.

Die Vereinten Nationen haben inzwischen mit Sheila B. Keetharuth eine Sonderberichterstatterin für Eritrea. Auch sie rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, Flüchtlinge aus Eritrea aufzunehmen. In Eritrea würde grundlegende Menschenrechte verletzt und der Staat missbrauche seine Macht, klagte sie kürzlich: „Verhaftungen und Internierungen werden benutzt, um zu bestrafen, einzuschüchtern und eine Atmosphäre der Angst zu schaffen oder die verschwinden zu lassen, die als gefährlich eingestuft werden, weil sie nicht auf Linie sind“.

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